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Anspruch & Partnerschaft

... das steht mir zu

Ist ein Partner heute nur noch ein "ex und hopp" Artikel? Im Innern trägt heute jeder einen mehr oder weniger intensiven Kampf aus. Das Umfeld bombardiert uns mit Botschaften, die uns unsicher machen, uns fragen ob wir auch wirklich alles haben was uns zusteht.

Wir werden zu Zweiflern an unseren Partnern.




Die große Auswahl ?

Gesundheit, Schönheit, Intelligenz, Bildung, Humor, Wohlstand, Charakter, Bindungsfähigkeit, gesellschaftlicher Status, Ansehen, Erfolg, Ehrgeiz, finanzielle Sicherheit. Von den aufgezählten Eigenschaften möchte jeder möglichst viele und davon viel. Nichts anders! Wichtige Gründe und verständliche Begründungen lassen sich leicht finden.

Aber, das verfügbare Kandidatenpotenzial ist nicht groß.

Wenn nicht Unzufriedenheit, was bleibt dann noch? Die Theorie des freien Willens, entstanden durch Ineinanderschachteln von Wünschen unterer Ordnung, oder gibt es eine bessere Lösung?




Das steht mir zu!

mein Recht

Offenbar weiß heute jeder was ihm zusteht und auch worauf er ein Recht hat! Ich frage mich manchmal von welcher höheren Institution jedem Einzelnen dieser Anspruch verliehen wurde?

Mobilität gibt es heute offenbar auch in der Beziehung. Die Frage "ja oder nein" stellt sich nicht nur zu Beginn einer Partnerschaft. Innerhalb der Beziehung wird sie mit "gehen oder bleiben" formuliert. Letztendlich auf der gleichen Basis: Finde ich was Besseres? Mir steht etwas Besseres zu!




Selbstverwirklichung

Die Schwester der Selbstverwirklichung heißt Egoismus!

Das scheint vielen Menschen (Männlein oder Weiblein) nicht besonders klar während sie sich rücksichtslos von Partnerschaft zu Partnerschaft oder von Ehe zu Ehe selbst verwirklichen. Das ist schließlich Standard. Die normale erfolgs- und konsumorientierte Ehe. In einer solchen Partnerschaft bleibt immer einer auf der Strecke.

Ganz ehrlich, bisher hörte ich noch selten von einem Mann, der eine Partnerschaft aufgab, endlich Kunst zu studieren oder ein Esoteriklädchen zu eröffnen. Auf der anderen Seite geschieht es auch selten, das sie ihn ernsthaft fragt, ob er denn den Haushalt macht sollte sie endlich ihren Berufs- und Selbstverwirklichungsgedanken realisieren.




Selbstverwirklichung als Ehe-Killer

Meiner Meinung nach sollte ein auf bloße Selbstverwirklichung ausgerichteter Mensch besser ein wildes Single-Leben mit Action, Intrigen und Kurzpartnern aus festen Händen suchen, statt ein vertraglich fixiertes Versprechen zu geben.

Bitte nicht verwechseln mit der Fähigkeit am und mit dem Partner zu wachsen.




wo stehe ich?

wo beginnt der berechtigte Anspruch

Ein reales Beispiel, übertrieben dargestellt: Sie 35, 4 Arme (Zigarette, Kaffee, Fernbedienung, Telefon), 2 Tonnen, hässlich, faul und frigide beschreibt ihren Traumpartner als südländischen Typ, mit Verständnis für ihre nicht erzogenen Kinder, der (wenig karriere-geil) genug Zeit und Geld hat ein tolles, gemeinsames Leben zu führen.

was hast Du zu bieten?

war meine Frage. Die Antwort (Hut ab bei so viel Selbstbewusstsein): "Wenn er mich so nicht will, soll er es lassen!" So zu denken ist ihr Recht, natürlich. Jedem war bei diesem Beispiel klar was ich ausdrücken will.




wie beurteile ich meine eigene Situation?

Ist das Zurückstecken der eigenen Ansprüche, basierend auf eine realistische Selbsteinschätzung nicht die eigentliche Basis einer Partnerschaft?

Vor 20 Jahren war das natürlich viel simpler, da nannte man das einfach


Bescheidenheit und Zufriedenheit




Mangel an Verzicht


Dieser Auszug aus einem Leserbrief ist immer noch gültig:

  
... der Mangel an Verzicht und die erbarmungslose Gier nach äußerlicher Schönheit, verbunden mit der Fassade des "gut drauf seins", offenbaren doch nur die jämmerliche Oberflächlichkeit, in der sich unsere Gesellschaft befindet.

  

A. Horn, SPIEGEL Heft 24 / 94












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